Page 132 - GoldenesBuch
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Raum für Sehnsucht


 Während  der  profanen  Weihnachtsfeiertage  und  der  dadurch  entstandenen
 hektischen Zeit, habe ich mir die bewusst die Möglichkeit genommen, um mir
 Gedanke über etwas scheinbar Verlorenes zu machen, und zwar den „Raum für
 Sehnsucht“.


 Daraus entstanden die folgenden Zeilen


 Der Raum für Sehnsucht ist kein fester Ort. Er ist eher wie ein Dachboden: mal
 vollgestellt, mal leergeräumt, manchmal staubig, manchmal überraschend hell.


 Wer, so wie ich 1985 geboren wurde, hat diesen Raum in einer ganz eigenen
 Bauphase  betreten.  Dies  liegt  irgendwo  zwischen  Wählscheibentelefon  und
 WLAN-Router, zwischen Kassettenband und ChatGPT.
 Meine Generation wuchs mit Sehnsucht als etwas Handfestem auf. Sehnsucht
 hatte Wartezeit.
 Man wartete auf den die Postkarte der Freunde, der nach Sonnencreme roch.
 Auf  die  Sendung  „Wetten  Dass?“  am  Samstag  um  20:15  Uhr,  denn
 Wiederholung gab es nur, wenn das Fernsehen gnädig war.


 Ich  kenne  noch  das  sehnsüchtige  Bespielen  eines  Mixtapes,  nur  um
 festzustellen, dass genau der eine Song wieder vom Radio-Moderator brutal
 zerredet wurde.
 Sehnsucht  hatte  Pausen  –  und  genau  dort  konnte  sie  sich  ausbreiten.

 Die  Generationen  vor  mir  kannten  diesen  Raum  noch  größer.  Für  sie  war
 Sehnsucht oft geografisch.


 Der Onkel wanderte nach Kanada aus und blieb dort gefühlt auf einem anderen
 Planeten.


 Fotos kamen einmal im Jahr, Menschen verschwanden hinter Ozeanen und
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